Der Stadtbrand 1865

Der Sommer 1865 war sehr heiss und trocken. Am 20. Juli wehte der Aemmeluft sehr stark. Um ein Uhr in der Nacht wurden die Einwohner jäh aus dem Schlaf gerissen. Sturmglocken, Hornsignale und Trommeln vereinigten sich zu einem schauerlichen Lärm. Südlich der heutigen Brüder Schnell Terrasse stieg eine mächtige Feuersäule aus einer Scheune empor. ( Auszüge aus dem Burgdorfer Jahrbuch von 1966 )

Datum: 
1865
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser

Aus allen Richtungen trafen während der Nacht und bei Tagesanbruch die Hilfskräfte der auswärtigen Feuerwehren ein. Hervorragendes leistete das Brandcorps der Stadt Bern das per Extrazug schon um 3 Uhr in Burgdorf eintraf. Durch geschickten und kühnen Einsatz gelang es, das Feuer am Kirchturm zu löschen.

Datum: 
1865
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser

Die Panik erreichte ihren Höhepunkt, als plötzlich der Helm des Kirchturms zu brennen anfing, wahrscheinlich durch eine glühende Schindel entzündet, die der tobende Wind gegen denselben getrieben hatte. Als mächtige Fackel erhob sich der Turmhelm gegen den Nachthimmel ab, ein Notzeichen das weithin leuchtete und ebenfalls um Hilfe rief.

Datum: 
1865
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser

Der starke Talwind trieb den Funkenregen gegen die Rückseite der Häuser an der Schmiedengasse deren Anbauten und Lauben im Nu lichterloh brannten. Die Feuermauern reichten meist nur bis zum Dach und die Estriche waren nur durch Holzwände voneinander getrennt. So konnte sich der Brand in kurzer Zeit auf alle Häuser ausbreiten.  

Datum: 
1865
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser

Nach wenigen Stunden wogte in der Oberstadt ein wildes Flammenmeer. Wie durch ein Wunder ragte das Zunfthaus, die burgerliche Stadtschreiberei und das Pfarrhaus unversehrt empor. Im ganzen wurden 48 Häuser durch den Brand zerstört. Als Wunder kann man es bezeichnen, dass nur ein Menschenleben zu beklagen war.

Datum: 
1865
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser

Gegen 11 Uhr morgens hatte man den Eindruck, das Feuer unter Kontrolle zu haben. Annerkenned muss die Mitarbeit der Frauen erwähnt werden, die sich stundenlang in die Eimerzüge eingereiht und bis zum Schluss ausgeharrt hatten. Eine gewaltige Welle der Hilfsbereitschft rollte an. Spenden von Privatleuten aus allen Regionen, Spenden aus allen Kantonen der Schweiz, aus Deutschland, Oesterreich, England, Frankreich, Holland, Russland der Türkei und aus Amerika trafen in Burgdorf ein.

Datum: 
1865
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser

Blick in die Schmiedengasse in Richtung Kronenplatz. Ueber dem Handkarren sieht man den Durchgang bei der Pfistern. Alle Gebäude bis zur Pfistern sind dem Brand zum Opfer gefallen. Die Gasthäuser Metzgern und Pöstli wurden vom Brand verschont.

Datum: 
1865
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser

In der Nacht um 4 Uhr 30 wurde ein Telegramm nach Zürich abgeschickt. Das wurde um 10Uhr 30 dem Empfänger übergeben:

Herrn Fankhauser bei Familie Rikli  Trittligasse 109 in Zürich.  Ungefähr fünfzig Häuser Schmiedengasse, Kirchbühl & die milchgässlischen Schäunen. Dürr, Gerber.

Datum: 
1865
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser

Im Sommer 1866 wurde der Kirchturm nach den Plänen von Stadtbaumeister Schaffer neu errichtet.

Datum: 
1866
Verlag: 
Sammlung H.Fankhauser
Der Stadtbrand 1865 abonnieren